Osternacht im Fuldaer Dom: Auferstehung als Erfahrung, dass Gott sich im Dunkel zeigt

Mitteilung des Bistums Fulda

Die Osternacht beginnt im Dunkel. Die Lesungen erzählen von Flucht, Bedrohung und existenziellen Grenzerfahrungen, die bis heute vertraut sind.

Bischof Dr. Michael Gerber deutet die Feier der Auferstehung in der Osternacht im Fuldaer Dom vor diesem Hintergrund als Erfahrung, dass Gott sich gerade in solchen Situationen zeigt. In der Dunkelheit entzündet sich Licht, und mitten in der Zerbrechlichkeit wächst neue Hoffnung.

Vor dem Fuldaer Dom wird am frühen Ostersonntagmorgen das Osterfeuer entzündet. An ihm wird die Osterkerze entzündet, deren Licht in die noch dunkle Kathedrale getragen wird.

Nach und nach erhellen Kerzen den Raum. Für Bischof Dr. Michael Gerber sind diese Zeichen mehr als liturgische Rituale. Sie verweisen auf eine Wirklichkeit, die sich nicht aufdrängt, sondern erschließt – gerade dort, wo Dunkelheit und Unsicherheit das Erleben prägen. In dieser Spannung beginne die Osterbotschaft, so deutet es Gerber in seiner Predigt.

Erfahrungen an der Grenze

Die biblischen Lesungen der Osternacht führen an existenzielle Grenzen. Sie erzählen von Flucht und Bedrohung, von Angst und drohendem Verlust. Die Erzählung vom Auszug des Volkes Israel steht für Erfahrungen, die auch heute Menschen machen.

Krieg, Vertreibung und die Frage nach Zukunft und Sicherheit sind keine ferne Geschichte. Auch die Szene um Abraham, dem der Verlust seines Sohnes zugemutet wird, führt an einen Punkt, der kaum auszuhalten ist, unterstreicht der Bischof.

Gerber nimmt diese Linien bewusst auf. Die Texte der Osternacht seien keine beruhigenden Erinnerungen, sondern konfrontierten mit Erfahrungen, die bis heute Wirklichkeit sind. Gerade darin liege ihre Bedeutung. Am Tiefpunkt menschlicher Erfahrung zeige sich Gott und wende sich den Menschen zu.

Zeichen der Zuwendung

Diese Zuwendung werde in der Liturgie der Osternacht in elementaren Zeichen erfahrbar, betont Gerber. Licht, Wasser und Brot stehen für eine Wirklichkeit, die nicht abstrakt bleibt, sondern berührt.

Zugleich sind diese Zeichen selbst verletzlich und zerbrechlich. Gerade darin verweisen sie auf die Weise, wie Gott selbst sich zeigt.

Das Licht der Osternacht schenke Orientierung, nehme aber die Gefährdung des Weges nicht einfach weg. „Es braucht freilich Mut, diesem Licht zu folgen, weil der Weg, den uns dieses Licht führt, nicht ungefährlich ist“, greift Gerber die biblischen Erfahrungen auf. Daran erinnere auch die Erzählung vom Weg durch das Meer, das nur für einen kurzen Moment ausgetrocknet ist.

Gerber greift dies auch im Blick auf eine Darstellung des auferstandenen Christus auf, die an diesem Ostermorgen im Dom sichtbar ist. Die Figur wirkt filigran und verletzlich.

Gerade darin wird für ihn sichtbar, wie Gott sich zeigt: nicht in Stärke und Unantastbarkeit, sondern in einer Weise, die berührbar bleibt.

Zerbrochenheit als Kraftquelle

Im Zentrum seiner Predigt steht die Erfahrung, dass Zerbrochenheit nicht das letzte Wort behält. „Zerbrochenheit wird zur Kraftquelle“, sagt Gerber und greift damit eine Grundlinie der Osternacht auf. Diese Erfahrung sei nicht nur symbolisch zu verstehen.

„Das ist die Botschaft des Ostermorgens“, betont der Bischof. Auferstehung ereigne sich nicht nur als Erinnerung an ein vergangenes Geschehen, sondern als Wirklichkeit, die auch heute Menschen verändern könne.

Dabei verweist Gerber auf die Frauen am Grab, denen als Ersten die Begegnung mit dem Auferstandenen geschenkt wird. Auch hier beginne Neues nicht im Offensichtlichen, sondern in einer Erfahrung, die sich nicht aufdrängt, sondern erschließt.

Berührt werden und weitergehen

Aus dieser Erfahrung heraus öffne sich ein Weg für die Gegenwart. Wer sich berühren lasse, könne neue Kraft gewinnen. Die Auferstehung bleibe kein fernes Ereignis, sondern werde dort erfahrbar, wo Menschen sich auf diese Wirklichkeit einlassen und sich berühren lassen.

Die Osternacht im Fuldaer Dom wurde musikalisch gestaltet vom JugendKathedralChor unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber sowie von Domorganist Max Deisenroth an der Orgel.